Wie gefährlich sind potenzielle Saugroboter-Sicherheitslücken? Saugroboter Datenschutz-Check: Wie hoch ist das Spionage-Risiko?

Die effiziente Reinigung durch einen Saugroboter erfordert dessen genaue Kenntnis der Umgebung. Damit er nicht gegen Möbel fährt oder die Treppe herunterfällt, integrieren Saugroboter-Hersteller viele Sensoren oder sogar Kameras in ihren smarten Haushaltshelfern. Doch wie ist es dabei um Sicherheit und Datenschutz bestellt? Wir klären auf und geben Tipps, um mögliche Sicherheitslücken zu schließen.

Freund oder Feind? Wir haben genau hingeschaut

Potenzielle Saugroboter Sicherheitslücke 1: Navigation

Alle Saugroboter verfügen über Sensoren, die z. B. eine Treppe oder einen anderen „Abgrund“ erkennen und sie vor Stürzen bewahren sollen. Darüber hinaus helfen Sensoren bei der selbständigen Navigation, die eine automatische Reinigung erst möglich macht. Ganz vermeiden lässt sich die Nutzung von Sensoren deshalb nicht. Je nach Navigationstyp fällt das Spionagerisiko jedoch unterschiedlich hoch aus. Wir erklären, wie dies zustande kommt.

Durch den Einsatz von Bewegungs-, Stoß- und Treppensensoren findet sich der Saugroboter zurecht

Saugroboter mit Zufalls-/ Chaosnavigation
Das geringste Spionagerisiko besteht bei Modellen mit Zufallsnavigation, die so lange geradeausfahren, bis sie auf ein Hindernis treffen, sich dann in einem zufälligen Winkel wegdrehen und weiterputzen. Eine Vermessung bzw. Kartierung des Wohnraumes erfolgt dabei nicht. Allerdings benötigt diese chaotische Art der Reinigung auch deutlich mehr Zeit und Energie als die kartenbasierte Variante. Bei verwinkelten Räumen kann es zudem passieren, dass der Roboter aus einer Engstelle nicht mehr herausfindet. Bei unseren Tests passierte dies immer wieder und war auf Dauer sehr lästig. Dafür sind Modelle mit Zufallsnavigation jedoch immerhin eine günstige Alternative zu den intelligenteren Putzrobotern, die wir nachfolgend vorstellen.

Saugroboter mit Lasernavigation
Staubsauger-Roboter mit Lasernavigation erstellen beim ersten Reinigungsvorgang eine digitale Karte, die anschließend per App eingesehen werden kann. Dies bietet gleich mehrere Vorteile:

  • Bessere Übersicht: Nutzer wissen dadurch immer, wo sich ihr Roboter gerade aufhält und können gegebenenfalls No-Go-Areas per App bestimmen, z. B. um eine spontan erbaute Lego-Stadt zu schützen.
  • Hohe Effizienz: Durch die systematische, kartenbasierte Reinigung wird sowohl Zeit als auch Akkukapazität eingespart.
  • Nachprüfung: Als netten Nebeneffekt listen die meisten Modelle mit Lasernavigation auch die Raumgrößen in ihrer Karte auf. So können Mieter die Quadratmeterzahl der einzelnen Räume nachprüfen und die Angaben mit ihrem Mietvertrag abgleichen.

Experten-Hinweis: Auch Wunsch lassen sich auch App-basierte Saugroboter nach der Installation meist ohne Smartphone nutzen, indem ein Knopf am Gerät gedrückt wird. Dieser Schritt sollte jedoch gut überlegt sein, da damit nicht nur sämtliche App-Features wegfallen, sondern auch keine Timer-Programmierung möglich ist.

Saugroboter mit Kamera-Navigation
Ihre Verbreitung in Deutschland ist relativ gering, da sich viele deutsche Anwender mit einem filmenden Roboter in ihren Privaträumen offensichtlich nicht ganz anfreunden können.

Kamera-gesteuerte Roboter erfassen ihre Umgebung besonders detailliert

Potenzielle Saugroboter Sicherheitslücke 2: Fernsteuerung

Der Hauptzweck eines Saugroboters besteht in der automatischen Reinigung des Wohnraums, im Idealfall bereits bevor seine Besitzer zurückkehren. Dies kann entweder durch die Programmierung eines Timers oder durch eine App bzw. einen Sprachassistenten erfolgen.

Einige Modelle verfügen zwar auch über eine Fernbedienung, aber deren Gebrauch ist meist eher umständlich wie unsere Tests zeigen.

Bei der Fernsteuerung gilt: Je mehr Komfort gewollt ist, desto mehr Vernetzung ist nötig und umso mehr Sicherheitsmaßnahmen sollten ergriffen werden. Dies gilt insbesondere bei Hersteller-Apps, deren Anbieter im Ausland sitzen und Daten dementsprechend nicht auf deutschen Servern speichern.

Saugroboter Apps können bei falscher Nutzung zur potenziellen Sicherheitslücke werden

Unser Tipp: Um potenzielle Sicherheitslücken zu schließen sollten Anwender bereits bei Installation der Hersteller-App genau darauf achten, welche Zugriffsrechte sie einfordert um Wanzenfallen zu vermeiden.

Potenzielle Sicherheitslücke 3: Software

Die Wahrscheinlichkeit, dass Kriminelle nach Deutschland reisen um in einen Privathaushalt einzubrechen und sich anhand einer fernöstlichen Billigroboter-Kartografierung am Eigentum anderer zu vergreifen ist vergleichsweise gering.

Viel gefährlicher ist dagegen veraltete Software, die Hackern den Zugriff auf das WLAN-Heimnetzwerk und damit unter Umständen auch auf angeschlossene Computer ermöglichen können. Sind diese ebenfalls nicht gut geschützt, können im schlimmsten Fall Bankdaten gestohlen werden.

Daher ist es unerlässlich bereits beim Kauf darauf zu achten, das der Hersteller regelmäßige und bestenfalls automatische Updates herausbringt. Dies gilt für die Firmware des Roboters sowie der Smartphone App.

Unser Tipp: Wer sich überhaupt nicht wohl dabei fühlt, einen Saugroboter in sein WLAN-Netzwerk einzubinden, kann dieses Problem lösen, indem er ein eigenes Gästenetzwerk dafür einrichtet. Wir haben es bereits ausprobiert und können bestätigen, dass sich diese Lösung einfach umsetzen lässt.

Ein gehackter Saugroboter kann die Sicherheit des ganzen Smart Homes gefährden

Häufige Fragen zur Saugroboter-Sicherheit im Überblick

Wer sich mit Saugroboter-Sicherheit beschäftigt, stößt schnell auf folgende Fragen.

Saugroboter ohne Internet bzw. WLAN nutzen, geht das?
Die meisten Saugroboter können bei Bedarf über einen Knopf direkt am Gerät gestartet oder gestoppt werden. Dies gilt auch für Modelle mit App. Werden diese jedoch ohne App betrieben, fallen viele Extrafeatures weg, die den Preis gewöhnlich maßgeblich beeinflusst haben. Wer also nicht vorhat, seinen Saugroboter über WLAN  zu steuern, sollte direkt zu einem günstigen Gerät ohne App oder Sprachintegration greifen.

Wo gibt es Saugroboter ohne Cloud?
Bei Saugrobotern ohne Cloud-Anbindung handelt es sich fast immer um Geräte mit Zufallsnavigation. Sie sind meistens deutlich günstiger als Saugroboter mit Internet-Anbindung, bieten dafür aber weniger Komfort. Ihr Reinigungsverhalten ist weniger gründlich, dafür aber zeitintensiver und weniger energieschonend als z. B. das von lasergesteuertern Saugrobotern.

Wie steht es um den Xiaomi Saugroboter Datenschutz?
Der beliebte Technikanbieter Xiaomi überschwemmt den deutschen Markt bereits seit längerem mit Saugrobotern, deren gutes Preis-Leistungsverhältnis viele Kunden anzieht. Wer die Apps des Herstellers nutzen möchte, sollte allerdings genau hinschauen. Denn oft werden besonders viele Zugriffsberechtigungen für Smartphone Funktionen aller Art verlangt und unter Umständen Informationen mit Drittanbietern ausgetauscht. Laut den Technikexperten von AV-Test gilt dies auch für immer mehr andere Hersteller, die sich so eine Optimierung und bessere Verzahnung verschiedener Smart Home-Geräte erhoffen.

Welche Saugroboter hat Stiftung Warentest bereits geprüft?
Von Stiftung Warentest wurden 2019 zuerst nur Saugroboter getestet, bevor 2020 dann auch Wischroboter und Kombimodelle mit beiden Funktionen verschiedenen Labortests unterzogen wurden.

Zu den geprüften Herstellern gehörten u.a.:

Saugroboter

  • Vorwerk Kobold VR300 (Test-Sieger 01/2020)
  • AEG RX9-IBM
  • iRobot Roomba 960
  • Dyson 360 Eye
  • Samsung VR2GM7070WS/EG
  • Miele Scout RX2 Home Vision4

 

Saug-Wischroboter

  • Ecovacs Deebot Ozmo 930
  • Xiaomi/ Roborock S6
  • Zaco A9s
  • Medion MD 18501
  • Prosenic 790T
Stiftung Warentest prüfte u.a. das Fahrverhalten und die Reinigungswirkung

Von den Modellen, die nur wischen konnten, oder die Nassreinigung zumindest als Zusatzfunktion anboten, wurde maximal die Note befriedigend (3,1) erreicht. (Stand: 01/2020) Dies entspricht unseren Tests, bei denen die Roboterreinigung nie dem händischen Schrubben nahe kam.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
gefällt das
Gefällt mir Gefällt mir nicht
Sie können den Artikel nur einmal bewerten.
Vielen Dank für Ihre Bewertung!
homeandsmart Redaktion Mariella Wendel

Sammelte schon im Studium Erfahrungen mit innovativen Ambient Assisted Living Geräten und bloggte viele Jahre darüber. Mariella Wendel gehört von Anfang an zum home&smart-Redaktionsteam und testete die Echo Lautsprecher bereits vor der Markteinführung in Deutschland. Außerdem verfasste sie 2017 die erste umfassende Übersicht Alexa kompatibler Geräte. Heute zählen außerdem intelligente Haushalts-Gadgets und fernsteuerbare Gartengeräte zu ihren Lieblingsthemen.